Die Erna von Dobschütz Stiftung. Eine gemeinnützige Einrichtung widmet sich dem Werk einer fast vergessenen Görlitzer Malerin

Erna von Dobschütz, Bildnis des Mädchens Anna Dünnebier, um 1910, Pastellkreide, Kulturhistorisches Museum Görlitz

Seit fast zwei Jahren existiert die Erna von Dobschütz Stiftung. Sie widmet sich dem Werk einer zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Görlitzer Malerin und ist am Kulturhistorischen Museum angesiedelt, das den künstlerischen Nachlass der Namensgeberin bewahrt.

1876 als Tochter eines preußischen Offiziers geboren, kam Erna von Dobschütz mit zwölf Jahren nach Görlitz. Nur wenig ist über ihr Leben bekannt. In einer Zeit, in der die Malerei für Frauen mehr noch als Zeitvertreib denn als ernsthafter Beruf betrachtet wurde, entschied sie sich für eine professionelle künstlerische Ausbildung. Im Rahmen der etablierten Kunstakademien war dies um 1900 für Frauen noch immer unüblich. Zahlreiche Künstler boten jedoch Privatunterricht an. Ab 1896 und erneut ab 1900 nahm Erna von Dobschütz zunächst Unterricht bei den bekannten Malern Wilhelm Claudius und Robert Sterl in Dresden. Zwischen 1904 und 1908 besuchte sie zusätzlich das Damenatelier des damals sehr geschätzten Berliner Porträtmalers Franz Skarbina, dessen Prägung in ihren Werken deutlich ablesbar ist. Danach kehrte sie nach Görlitz zurück und übernahm 1909 das Atelier der Porträtmalerin Ella von Prittwitz im Haus Kahle 7 (heute Johannes-Wüsten-Straße 7). Erna von Dobschütz blieb Zeit ihres Lebens unverheiratet.

Zwischen 1900 und 1908 lassen sich mehrere Ausstellungsbeteiligungen nachweisen, bei denen ihre Werke stets sehr gute Kritiken erhielten. Danach gibt es nur noch wenige Nachrichten über Leben und Werk der Erna von Dobschütz. In Görlitz war sie als freischaffende Porträtmalerin und private Zeichenlehrerin tätig. Zu ihren Schülern gehörte Johannes Wüsten, als er sich auf die Aufnahmeprüfung an der Dresdener Kunstgewerbeschule vorbereitete. Wüsten schrieb darüber in seiner Autobiografie: „Bei den Vorbereitungen zur Dresdener Prüfung geriet ich auch in die Hände einer malenden Görlitzer Edelfrau, die nach kurzer Zeit erklärte, ich sei so unbegabt, daß ich lieber Fotograf werden solle.“ Trotz dieser negativen Einschätzung scheint Johannes Wüsten den Kontakt zu Erna von Dobschütz nicht verloren zu haben. 1929 übernahm er schließlich ihr Atelier.

Ab 1952 wohnte Erna von Dobschütz im Görlitzer Luisenstift. Im Alter von 87 Jahren verstarb sie in der Neißestadt und wurde im Familiengrab in Kassel beigesetzt. Nach ihrem Tod gelangte der Großteil ihres künstlerischen Nachlasses als Schenkung der Erben in die Sammlungen des Kulturhistorischen Museums Görlitz. Er umfasst mehr als 80 Gemälde und über 100 Zeichnungen in Kohle, Feder und Pastellkreide. Damit ist es einer der umfangreichsten Einzelbestände des Museums. Die Bildmotive zeigen Bildnisse und Stilleben, die zwischen etwa 1900 und etwa 1930 entstanden. Vor allem meisterhaft mit Pastellkreide ausgeführte Porträtzeichnungen zeugen von der hohen künstlerischen Begabung der Erna von Dobschütz. Zu den Dargestellten ist leider kaum etwas bekannt, da die Künstlerin keine Aufzeichnungen hinterlassen hat. Man kann aber vermuten, dass viele Görlitzerinnen und Görlitzer ihr Modell saßen.

Nach ihrem Tod wurde der Malerin lediglich eine große Ausstellung gewidmet, die 1964 im Kaisertrutz stattfand. Danach waren ihre Arbeiten zwar gelegentlich ausgestellt, gerieten jedoch fast in Vergessenheit.

In Zukunft möchte das Kulturhistorische Museum dem Werk der Erna von Dobschütz wieder stärker die ihm gebührende Aufmerksamkeit zukommen lassen. Wichtige Unterstützung wird das Museum dabei durch die Erna von Dobschütz Stiftung erfahren. Sie ist ein großes Geschenk an die Stadt Görlitz. Im Herbst 2010 kam Ursula von Dobschütz, eine Verwandte der Malerin, in die Neißestadt und konnte anlässlich des Besuches erstmals einige Werke der Erna von Dobschütz sehen. Davon tief beeindruckt, entschloss sie sich spontan, eine Stiftung zum Erhalt und der Popularisierung des Werkes der Erna von Dobschütz ins Leben zu rufen und dafür einen beachtlichen Teil ihres Privatvermögens zu stiften.

In den Vorstand der Stiftung wurden Ursula von Dobschütz, Jasper von Richthofen, Leiter des Kulturhistorischen Museums, sowie Kai Wenzel, Kurator der Kunstsammlungen am Kulturhistorischen Museum, berufen. Gemeinsam entscheiden sie, wie die Zinserträge, die das Stiftungskapital erwirtschaftet, verwendet werden sollen. Nachdem die Stiftung im Jahr 2011 zunächst aufgebaut wurde, konnten in diesem Jahr erstmals Zinsen ausgeschüttet werden. Sie sollen zunächst für eine umfassende fotografische Dokumentation des Nachlasses verwendet werden, die Grundlage für die weitere Aufarbeitung und spätere Publikationen zum Werk der Erna von Dobschütz ist.

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