Granica – die Grenze, Buchvorstellung im Schlesischen Museum zu Görlitz

Herausgeberin Karoline Gil stellt am Donnerstag, den 14. April 2011 um 19.00 Uhr, ihren Sammelband im Saal des Schlesischen Museums, Eingang Fischmarkt 5, vor. Darin analysieren Historiker, Politologen, Soziologen und Kulturwissenschaftler aus Deutschland und Polen die seit dem 19. Jahrhundert geführten Debatten um die deutsch-polnische Grenze. Sie fragen nach ihrem Bedeutungswandel im Spannungsfeld von Nationalisierung und Europäisierung. Autor Dawid Smolorz vertieft eines der Themen des Buches und fragt nach dem Alltag an der Grenze in dem 1922 zwischen Deutschland und Polen geteilten Oberschlesien.

Die Grenze zwischen Polen und Deutschland war seit dem 19. Jahrhundert ein umstrittenes Politikum. In der Weimarer Republik galt die im Versailler Vertrag gezogene neue Ostgrenze des Deutschen Reichs als ,blutende Grenze‘. Nach dem Zweiten Weltkrieg zelebrierten die DDR und die Volksrepublik Polen an der ,Oder-Neiße-Friedensgrenze‘ eine vordergründige Freundschaft. Dagegen gab es in der Bundesrepublik heftige Auseinandersetzungen um eine Anerkennung der polnischen Westgrenze an Oder und Neiße. Erst der deutsch-polnische Grenzvertrag aus dem Jahr 1990 sowie die Osterweiterung der Europäischen Union trugen dazu bei, der Grenze allmählich ihren konfliktgeladenen und trennenden Charakter zu nehmen.

Die Kulturwissenschaftlerin Karoline Gil arbeitet bei der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Berlin. Zusammen mit Christian Pletzing hat sie einen Sammelband herausgegeben, in dem Historiker, Politologen, Soziologen und Kulturwissenschaftler aus Deutschland und Polen die vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart geführten Debatten um die deutsch-polnische Grenze analysieren. Frau Gil stellt den Band vor und erleutert, wie die Bedeutung der deutsch-polnische Grenze sich im Lauf der Zeit wandelte.

Einer der Autoren des Bandes, der Gleiwitzer Historiker und Übersetzer Dawid Smolorz, erinnert an die deutsch-polnische Grenze in Oberschlesien, die nach dem Versailler Vertrag und einer von bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen überschatteten Volksabstimmung 1922 gezogen wurde. Dawid Smolorz hat in einem Projekt des Hauses der deutsch-polnischen Zusammenarbeit erstmals den Alltag an der Grenze zwischen 1922 und 1939 untersucht und dargestellt.

Im Vorfeld der 3. Sächsischen Landesausstellung und in einer Region, die von der Realität der Grenze im Guten wie im Schlechten geprägt ist, können die aktuellen wissenschaftlichen Zugänge zur Grenze zur Diskussion anregen.

Gil, Karoline/Pletzing, Christian: Granica. Die deutsch-polnische Grenze vom 19. bis zum 21. Jahrhundert. München (Meidenbauer) 2010, 180 Seiten, 29,- EUR, ISBN: 978-3-89975-213-7.

Was: Buchvorstellung: Granica – die Grenze
Wo: Saal im Schlesischen Museum zu Görlitz, Eingang Fischmarkt 5
Wann: Donnerstag, 14. April 2011, 19.00 Uhr
Preis: Eintritt frei

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