23. Ausgabe des „Görlitzer Magazins – Geschichte und Gegenwart der Stadt Görlitz und ihrer Umgebung“ erschienen

Seit einigen Tagen gibt es das von den Städtischen Sammlungen für Geschichte und Kultur Görlitz herausgegebene und vom Verlag Gunter Oettel Görlitz-Zittau gestaltete neue Görlitzer Magazin zum Preis von 9,90 € im Buchhandel (ISBN 978-3-938583-65-4) und im Kulturhistorischen Museum,  Neißstraße 29. 

Das 23. Heft dieser Reihe widmet sich in seinem ersten Beitrag der via regia, die als Thema der 3. Sächsischen Landesausstellung zurzeit in aller Munde ist. Dr. Gunter Oettel und Peter Wenzel erläutern in ihrem Aufsatz die Situation von Görlitz als Straßenkreuzung im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Die Autoren zeichnen anhand der Akten und Urkunden aus dem Görlitzer Ratsarchiv ein sehr bewegtes Bild der Stadt und verdeutlichen u. a. mit einer farbigen Karte sehr anschaulich den Verlauf der Straßen und Wege um und in Görlitz in dieser Zeit.

Im zweiten Beitrag wird ein kulturhistorisches Kleinod aus seinem Schattendasein geholt und einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt − die Görlitzer Frauenkirche. Aus der Frauenkirche stammen einige der bedeutendsten spätmittelalterlichen Kunstwerke, die sich in Görlitz erhalten haben. Es ist das große Verdienst der beiden Kunsthistoriker Stefanie Fink und Kai Wenzel, die spätmittelalterliche Ausstattung dieses Gotteshauses in ihrem umfangreichen Beitrag zu rekonstruieren und mit interessanten Abbildungen zu illustrieren. Die Darstellungen der hl. Apollonia und der hl. Ursula auf einem Retabel aus der Frauenkirche schmücken den Umschlag des Görlitzer Magazins.

Einen ebenso wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der Görlitzer Stadtgeschichte leistet Dr. Steffen Menzel mit seinem Aufsatz zur Lage der Bevölkerung in den Görlitzer Ratsdörfern am Ende des Dreißigjährigen Krieges (1638-1648). In dieser Zeit musste sich Görlitz aufgrund der finanziellen Notlage unter kursächsische Zwangsverwaltung stellen. Der Autor schildert anhand von konkreten Beispielen aus den durch ihn akribisch ausgewerteten Archivmaterialien sehr eindrücklich die schwere Lage der Menschen in den Ratsdörfern und in der Görlitzer Heide.

Der nächste Beitrag dieser Publikation überspringt 250 Jahre und informiert über jüngere Forschungen zur Fotografiegeschichte. Katja Schumann verdeutlicht mit ihrem Artikel über den bekannten Atelierfotografen Nicola Perscheid in Görlitz 1891-1894 erneut, welch lange und bedeutende Tradition die Fotografie und die fotografische Industrie in Görlitz haben.

Einem anderen Kapitel der Görlitzer Geschichte widmet sich der Beitrag von Ines Anders und Katrin Zahn. Im Rahmen eines Schulprojektes des Joliot-Curie-Gymnasiums wurden ehemalige jüdische Schülerinnen der Luisenschule in Görlitz ausfindig gemacht und Kontakte zu ihnen aufgenommen. Die dadurch erhaltenen biografischen Informationen und persönliche Erinnerungen wurden nun publiziert. Sie fügen einen weiteren Mosaikstein zum bunten Bild des jüdischen Lebens in Görlitz hinzu und regen zu weiterer Beschäftigung mit diesem Thema an.

Mit Kriegsverlusten setzt sich Dr. Jasper von Richthofen anhand der konkreten Situation im Kulturhistorischen Museum Görlitz auseinander. In seinem Beitrag schildert er die schwierigen Umstände und Hintergründe, die zu Auslagerung und Verlust von Görlitzer Museums- und Bibliotheksgütern im Verlaufe des 2. Weltkrieges führten und zeichnet das Schicksal einzelner Bestände bis zur Gegenwart nach. Der Umgang mit kriegsverlagerten Kulturgütern ist 66 Jahren nach Kriegsende auch im vereinten Europa noch immer ein schwieriges Thema.

Umso erfreulicher sind die Berichte über Neuerwerbungen des Kulturhistorischen Museums Görlitz. Über eine besonders bedeutende schreibt Kai Wenzel ausführlicher in seinem Artikel über den Maler Fritz Neumann-Hegenberg. Neumann-Hegenberg gehört zu den prägendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts in Görlitz. Mit Unterstützung der Freunde der Städtischen Sammlungen konnte eine Pastellzeichnung des Künstlers, die vermutlich 1922 als Studie zu einem Gemälde entstanden war, erworben werden.

Ebenso erfreulich und wichtig ist der Bericht von Matthias Wenzel über ein langjähriges Restaurierungs- und Konservierungsprojekt in der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften. Nur durch die großzügige Unterstützung der Ernst-Hellmut-Vits-Stiftung konnten wertvolle Handschriften und Drucke aus der einmaligen historischen Büchersammlung der Stadt gerettet und vor dem weiteren Zerfall geschützt werden.

Den Abschluss des Görlitzer Magazins bilden wie immer die Mitteilungen zu den Neuerwerbungen des Kulturhistorischen Museums und der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften und zu den museumspädagogischen Angeboten, die trotz sanierungsbedingter Schließung von Kaisertrutz und Barockhaus Neißstraße 30 mehr als 11.000 Besucher anlockten. 2010 konnten wieder wertvolle Exponate für die Museums-, Kunst- und Büchersammlungen erworben werden. Ein großer Dank gilt allen Helferinnen und Helfern, die mit ihren Schenkungen, Spenden und ihrer tatkräftigen Unterstützung diesen Zuwachs an Museumsgut und an Veranstaltungen möglich machten.

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